Aktuell
Nachruf auf Dr. Bernd Mahl
Vor einigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Ehrenpräsident Dr. Bernd Mahl verstorben ist. Als Präsident stand er unserer Gesellschaft in den Jahren 2001-2009 vor. Das Faust-Thema und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit begleiteten Bernd Mahl während seines
gesamten Lebens.
Die Internationale Faust-Gesellschaft hat Anlass, Bernd Mahl besonders dankbar zu sein.
Übernahm er doch das Präsidentenamt in einer schwierigen Phase der Gesellschaft, als man
schon fürchten musste, es ginge nicht mehr weiter. Aber dann ist es ihm mit der für ihn so
typischen freundlichen und geduldigen Hartnäckigkeit gelungen, die Widerstände und
Schwierigkeiten zu überwinden und unserer Gesellschaft neues Leben einzuhauchen.
Die erste Begegnung mit Bernd Mahl fand wohl bei vielen von uns in einer
wissenschaftlichen Bibliothek statt, nämlich bei der Lektüre seines – wie man ohne
Übertreibung sagen darf – epochemachenden Buches Goethes ökonomisches Wissen (1982).
Auf vorbildliche und maßstabsetzende Weise wurde hier erstmals das reiche Quellenmaterial
erschlossen, seinerzeit noch auf strikt getrennte Archive in Ost und West verteilt.
Solchermaßen bildet Mahls Studie bis in unsere Gegenwart das Fundament der seither so
wichtig gewordenen Forschung zum ökonomischen Horizont des goetheschen Werks, vor
allem des „Faust“. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch bereits 1982 erschien und noch heute
ausführlich zitiert wird und in keinem einschlägigen Literaturverzeichnis fehlt, kann man
einen Eindruck gewinnen von der Originalität und Innovationskraft der Ideen und der
philologischen Arbeit Bernd Mahls.
Die damals noch fast unbekannte, dann aber sich als so produktiv erweisende ökonomische
Perspektive auf Goethes Werk hatte im Falle Bernd Mahls einen konkreten
lebensgeschichtlichen Hintergrund. Denn am Beginn seines Bildungsweges stand zunächst
eine kaufmännische Lehre, ehe er dann das Abitur ablegte und an der Universität Tübingen
Germanistik, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft studierte. Aus dieser seinerzeit
ungewöhnlichen Fächerkombination ging dann schließlich Goethes ökonomisches Wissen als
Doktorarbeit hervor.
Sie steht am Beginn einer reichen Publikationstätigkeit, bei der man die Goethe- und
Faustthematik als roten Faden des wissenschaftlichen Interesses Bernd Mahls erkennen wird.
Erwähnt werden soll hier nur noch seine imponierende, reich illustrierte und präzise
dokumentierte Bühnengeschichte des goetheschen „Faust“ (Goethes „Faust“ auf der Bühne.
1806-1996. Fragment – Ideologiestück – Spieltext. 1998).
Seine wissenschaftlichen, gleichsam theoretischen Goethe- und Faustarbeiten verstand Bernd
Mahl, mit einem höchst engagierten praktischen Unternehmungsgeist für die Sache der
Literatur und der Kultur im Allgemeinen zu verbinden. Mit diesem Elan leitete er dann auch
über viele Jahre die Goethe-Gesellschaft in Stuttgart. Vor dem Hintergrund seines
wirkmächtigen Engagements nimmt man dann vollends beeindruckt zur Kenntnis, dass Bernd
Mahl stets auch noch mit beiden Beinen als Lehrer im Berufsleben stand und an der Schule
unterrichtete.
Bei all diesen Herausforderungen und bei den alltäglichen kräfte- und nervenzehrenden
Mühen wird man im Rückblick heute dennoch konstatieren: Es waren gute Zeiten. Auch
wenn Bernd Mahl damals schon kämpferisch dafür eingetreten ist, die Freiräume für die
Kultur zu erhalten (und zu finanzieren!), so kommt es uns in der Retrospektive vor wie eine
blühende Epoche, und das große Engagement Bernd Mahls war ein Teil davon. Seine
Leidenschaft für das Theater – als Wissenschaftler wie auch als Förderer und Unterstützer –
war legendär.
Dabei gelang es ihm, sein kulturpolitisches Engagement stets mit seinen kultur- und
literaturwissenschaftlichen Interessen und Forschungen und dann auch mit seinen
Publikationen zu verbinden.
Seine Freude an der wissenschaftlichen, intellektuellen und literarischen Zusammenarbeit,
seine Überzeugung von den segensreichen gesellschaftlichen Folgen des gemeinsamen
kulturellen Engagements werden uns dankbar und lebendig in Erinnerung bleiben.
Michael Jaeger
Berlin im Dezember 2025
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Donnerstag, 5. Februar 2026, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Dr. Thomas Meyer (IFG): Famulus Homunculus. Ein KI-basierter Faust-Chatbot im Unterrichtseinsatz
Ort: Videokonferenz
Zukünftige Veranstaltungen
Donnerstag, 5. März, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Dr. Paul Kahl, Goethe in Italien
Donnerstag, 7. Mai, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Prof. Dr. Karin Schutjer (University of Oklahoma): Spuren des Judentums in Goethes "Faust"
Vergangene Veranstaltungen
Samstag, 15. November 2025:
Zum 40. Jubiläum von Binswangers ökonomischer Faustdeutung
Wirtschaft zwischen Geld und Magie
Symposion der Internationalen Faust-Gesellschaft und der Universität St. Gallen
Veranstaltungsort: Universität St. Gallen
nähere Informationen im Veranstaltungslyer
Donnerstag, 6. November, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Philipp Restetzki, “Von allen Seiten hundert Quellen”.
Über Goethes Arbeit am “Faust”
Donnerstag, 2. Oktober, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Nico Imhof: Faust-Adaptionen in der Literatur der Romantik
Freitag, 10.10. -- Sonntag 12.10.2025: Studienwochenende zu Goethes 'Faust' in Aachen
nähere Informationen in Veranstaltungsflyer
Donnerstag, 4. September, 20 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Gérard Kever: Die Sixtinische Madonna und das ‘Faust’-Ende
Ort: Videokonferenz
dazu: am Donnerstag vorher (Goethes Geburtstag, 28.8.):
gemeinsame vorbereitende Lektüre “Bergschluchten”
Donnerstag, 5. Juni 2025, 18 Uhr:
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Dr. Claudia Streim: „Schätze der Faust-Sammlung“ und „Teuflisch! Mephisto in der Bibliothek“.
Vorstellung der zwei neuen Ausstellungen in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar
Ort: Videokonferenz
Donnerstag, 3. April 2025, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Prof. Dr. Anja Oesterhelt: Faust in der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945
(Der Termin muss leider ausfallen. Wir bemühen uns um eine Nachholung...)
Sonntag, 9. März 2025
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Donnerstag, 6. Februar 2025, 20 Uhr
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Dr. Manuel Bauer: Vom Mahnexempel zur Idealfigur – und zurück?
Anmerkungen zur Entwicklung der Faust-Figur von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart
Donnerstag, 2. Januar 2025, 20 Uhr
Virtueller "Faust-Stammtisch": offene Aussprache zu Themen aus der Faust-Welt, zur Planung weiterer Projekte und zur Entwicklung unserer Gesellschaft
Donnerstag, 5. Dezember 2024, 18 Uhr
Vortrag im Rahmen des Faust-jour fixe:
Dr. Paul Kahl: Goethes 'Faust' als Text der Moderne
Donnerstag, 21. November 2024, 20 Uhr (MEZ):
Vortrag:
Prof. Dr. Thomas Metscher:
Dialektisches Theater. 'Faust', Europa und das Drama der Menschengattung
Thomas Metscher, der zunächst deutsche Literatur an der Universität Belfast lehrte und dann
beinahe dreißig Jahre lang als Professor für Literaturwissenschaft und Ästhetik an der
Universität Bremen tätig war, zählt zu den profiliertesten Vertretern einer marxistisch
inspirierten Faustforschung. Für die beeindruckende Reihe seiner monographischen Studien
zur Faustthematik ist die Kombination philologischer und philosophischer Perspektiven
charakteristisch. Als zentraler Gedanke dieser Arbeiten tritt der geschichtsphilosophische
Entwurf des dialektischen Prozesses im geistigen Horizont des goetheschen Dramas hervor.
Besonders prägnant kommt das in Thomas Metschers neuestem Buch „Faust und die
Dialektik. Studien zu Goethes Dichtung“ (2024) zum Ausdruck. Man kann es als eine Art
„Summe“ seiner über die vergangenen Jahrzehnte andauernden gewaltigen Arbeit am
Fausttext ansehen. Sein Vortrag wird uns davon einen Eindruck vermitteln.
Donnerstag, den 26. 9. 2024, um 20 Uhr (MESZ):
Vortrag:
Marcus V. Mazzari: „Faust in Portugal, Faust in Brasilien“
Marcus Mazzari ist an der Universität São Paulo Professor für Literaturwissenschaft und Literaturtheorie. Er hat die brasilianische Faust-Ausgabe herausgegeben und kommentiert und darüber hinaus die Goethe- und Faust-Forschung um zahlreiche bedeutende Beiträge bereichert. Dazu zählen auch seine Studien zu Faust-Motiven in der portugiesischen und brasilianischen Literatur.
Die Arbeiten von Marcus Mazzari vermitteln mithin einen besonders prägnanten Eindruck von den wahrhaft internationalen Dimensionen der Faust-Thematik, die wir künftig in den Blick nehmen wollen. Sein Vortrag ist der Internationalen Faust-Gesellschaft daher ein besonders willkommener Prolog zur Vortragsreihe
Sonntag, 24. März 2024
14.30 Uhr Mitgliederversammlung, Faust-Archiv Knittlingen, Kirchplatz 9, Vortragssaal
Laufende Jahresarbeit
Edition der Beiträge des Faust Symposium V und Herausgabe einer selbständigen Publikation
Jahresprogramm 2023
Sonntag, 19. März 2023
14.30 Uhr Mitgliederversammlung, Faust-Archiv Knittlingen, Kirchplatz 9, Vortragssaal
Freitag und Samstag, 21. und 22. April 2023
Faust Symposium V, Stubenhaus, Stadt Staufen
Goethes „Faust“ und die Geldschöpfung aus dem Nichts. Eine Tagung anlässlich des 100. Jahrestages der Hyperinflation in Deutschland
Tagungsleitung und Konzeption: PD Dr. Michael Jaeger, Prof. Dr. Marco Lehmann-Waffenschmidt
Nähere Informationen sowie einen Flyer finden Sie auf unserer Seite "Tagungen".
Laufende Jahresarbeit
Edition der Beiträge des Faust Symposium V und Herausgabe einer selbständigen Publikation